Firmenbewertung zwischen Seriosität und Utopie
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Ein zentraler Punkt beim Firmenverkauf ist die Festlegung der Preisspanne des angestrebten Verkaufspreises. Die Literatur zu Firmenbewertungen füllt meterweise Bücherregale. Die sieben praxisnahen und gängigsten Methoden erkläre ich Ihnen nachfolgend, so dass Sie künftig selber in der Lage sein werden die verschiedenen Systeme zu verstehen und anzuwenden.
Ich höre in meiner Nachfolgepraxis immer wieder Aussagen wie: „Ich möchte meine Firma verkaufen für eine oder zwei Millionen – oder soviel, wie einer bezahlt.“ Die Festlegung eines realistischen und am Markt erzielbaren Verkaufspreises fällt nicht nur Unternehmern schwer, sondern oft auch Fachleuten. Für zu viele Unbekannte müssen Annahmen getroffen werden, die ungewiss sind und in der Zukunft liegen. Jede Abweichung der Annahmewerte führt multipliziert mit den weiteren Annahmewerten zu grossen Unterschieden. Für ein börsennotiertes Unternehmen gibt es einen Marktpreis und selbst dieser schwankt je nach Wirtschaftssituation um mehr als die Hälfte seines Wertes. Für ein Unternehmen, für das es mehrere Käufer gibt, kann in einem Bieterverfahren der Marktwert gefunden werden. Was aber ist, bei einem KMU, das froh ist überhaupt einen Nachfolger zu finden. Oder zu welchem Preis soll ein Unternehmen an Mitarbeiter oder Familienangehörige verkauft werden, was ist ein fairer Preis? In der Praxis gibt es viele verschiedene Firmenbewertungsmethoden, die alle zu unterschiedlichen Ergebnissen führen. Die Wichtigsten sind:
1 Ertragswertmethode
2 Substanzwertmethode
3 Praktikermethode
4 Wiederbeschaffungs- /Wiedererrichtungswert
5 Multiple-Faktor
6 Discounted Cashflow Berechnung
7 Liquidationswert
In unserer Verkaufspraxis erlebe ich sowohl, dass der Verkaufspreis viel zu hoch, aber auch, dass die Preisvorstellung zu tief angesetzt wird. Die Erfahrung zeigt, dass je nach Unternehmen und Branchen bei gleichen Eckdaten ganz verschiedene Verkaufspreise erzielt werden können. Eine Faustformel, die oft von Banken angewendet wird, um ein Investment schnell zu prüfen, ist: Der Unternehmenskaufpreis muss sich in den nächsten fünf Jahren aus den eigenen Gewinnen nach Abzug eines Unternehmerlohns refinanzieren lassen. Wird der Verkaufspreis zu hoch angesetzt, sind meistens die Investitionen und das Engagement der letzten Jahre zu schwer gewichtet worden, denn für den Käufer zählt die Ertragskraft der Zukunft. Ist der Verkaufspreis zu tief angesetzt, wird meist der immaterielle Wert von Kundenstamm, Knowhow und Erfahrung zu wenig geschätzt. Mit der jahrelangen Erfahrung, und unzähligen Vergleichsfällen aus der täglichen Firmenverkaufspraxis lässt sich realistisch einschätzen, zu welchen Preis ein Unternehmen verkauft werden kann.
Nachfolgend detailliert sieben verschiedenen Berechnungsmodelle:
1. Substanzwert-Methode
Beginnen wir mit der einfachsten der Methoden. Bei der Substanzwert-Methode werden die Werte der Aktiven zusammengezählt, also auch alles was sich in Ihrem Umlaufvermögen befindet. Weiterhin werden alle Stillen Reserven dazu gezählt, die möglicherweise nicht direkt in der Bilanz ersichtlich sind. Sie erhalten dadurch Ihren Brutto-Substanzwert.
Durch Berücksichtigung der latenten Steuern auf die stillen Reserven und nach Abzug des kurzfristigen und langfristigen Fremdkapitals, erhalten Sie schliesslich den sogenannten Netto-Substanzwert Ihrer Firma. Oder einfacher gesagt: Das Eigenkapital plus Reserven, plus Gewinn und Gewinnvortrag, plus stille Reserven. Der Wert stellt eine Bestandsaufnahme aller Vermögenswerte Ihres Unternehmens dar, ohne jedoch Ihre zukünftigen Gewinne zu berücksichtigen.
2. Ertragswert-Methode
Im Gegensatz zur vorherigen Methode wird bei der Ertragswert-Methode die Firma stärker als Investition gewichtet und dementsprechend das Augenmerk auf die möglichen Gewinne gelegt. Daraus soll, basierend aus den letzten Erfolgsrechnungen, der bereinigte Betriebsgewinn (Gewinn abzüglich der betriebsfremden und privaten Aufwände) festgestellt werden. Inwiefern das Unternehmen für potentielle Käufer in Zukunft Erträge erwirtschaften kann, liest sich aus dieser wichtigen Kennzahl heraus.
Daraus wird verglichen, ob das Unternehmen eine bessere oder schlechtere Rendite erzielen kann, als eine hypothetische Anlage (z.B. Staatsanleihen) mit einem speziellen Zuschlag in Form eines berücksichtigten Risikozinssatzes.
3. Discounted-Cashflow-Methode (DCF)
Vor allem aus dem angelsächsischen Raum kommt die DCF Methode, die stärker die Zukunft gewichtet, als die Vergangenheit. Hierbei soll auch wieder ermittelt werden, welche künftigen Erträge die Firma abgeben wird. Zur Berechnung wird der Cashflow, also vereinfacht der Wert des gesamten Geldzuflusses abzüglich der geleisteten Aufwände herbeigezogen. Der in Zukunft anfallende Cashflow wird nun aber noch diskontiert, was so viel bedeutet wie, dass dabei das Anfangskapital vor einer möglichen Verzinsung ermittelt wird. Man erhält so den Barwert vom Cashflow und damit der abgezinste, zukünftig mögliche Ertrag.
4. Praktiker-Methode
Die einfache Praktiker- oder auch Mittelwertmethode genannt, stellt eine Kombination aus dem Substanz- und dem Ertragswert dar. Da beide Methoden unterschiedliche Schwerpunkte in der Bewertung setzen, hat die Praxis ergeben, dass ein guter Mix aus den beiden Methoden eine durchaus nützliche Übersicht ergeben kann. Man hat im Firmenwert nicht nur den eigentlichen Wert, sondern gleichzeitig auch die Erträge berücksichtigt. Bei der Berechnung werden Substanz- und Ertragswert addiert und daraus der Durchschnitt berechnet oder im Verhältnis zwei zu eins gewichtet.
5. Das Multiplikator-Verfahren
Bei diesem Verfahren wird eine bestimmte Kennzahl der Firma mit einer Verhältniskennzahl, dem sogenannten Multiplikator vervielfacht. Für die Berechnung werden die Betriebskennzahl, meistens der Gewinn eines Unternehmens und ein gängiger Multiplikator benötigt. Der Multiplikator wird so gewählt, dass er verkaufte Unternehmen repräsentiert, die eine ähnliche Struktur und Grösse vorweisen. Der Vorteil dieser relativ einfachen Methode liegt im Vergleich zum Markt und den branchenüblichen Werten.
6. P/E-Ratio
Das in der Praxis am häufigsten vorkommende Beispiel des Multiplikator-Verfahrens, ist die namhafte Price-to-Earnings Methode, die sinngemäss aus dem Quotient von Kurs und Gewinn berechnet wird. Konkret bedeutet das, dass man das Verhältnis von der Börsenkapitalisierung zum Gewinn eines kotierten Unternehmen mit dem eigenen Unternehmen vergleicht. Durch das gleiche Verhältnis lassen sich zwar zwei unterschiedliche Firmen, doch dafür im Markt und in ihrer grundsätzlichen Struktur vergleichbare Firmen, mit einem spezifisch, geeignetem Vielfachem vergleichen.
7. Die EBIT-Methode
Dabei kann der Firmenwert durch den erwirtschafteten Nettoertrag, exklusiv Steuern und Zinsen berechnet werden. Daraus lässt sich auch der Name wie folgt erklären: Earnings Before Interest and Taxes. Bei dieser Kennzahl werden mögliche Investoren ein Vielfaches des EBIT-Werts Ihrer Firma bezahlen. Der Preis liegt je nach Firma im Bereich des 5- bis 7 fachen des EBIT-Betrags. Unterschieden wird dabei, um welche Firma-Grösse es sich handelt. Wenn von KMU die Rede ist, dann wird oft der untere Wert verwendet. Die EBIT-Methode stellt eine realistische Kennzahl dar, die auch oft von Banken verwendet wird.
Kostenlose Firmenbewertung
Gerne erstellen wir für Sie eine erste kostenlose Firmenbewertung anhand von zehn Bilanzwerten und besprechen mit Ihnen das Ergebnis in Bezug auf ähnliche Firmen die wir bereits verkauft haben. Melden Sie sich einfach per E-Mail mit Angaben zum Umlaufvermögen, Anlagevermögen, stillen Reserven, Fremdkapital, Gesellschafterkonto, Umsatz, Abschreibungen, Gewinn vor Steuern und Zinsen. Oder füllen Sie diese Kennzahlen auf unserer Homepage www.firmen-nachfolge-verkauf.ch/firmenwert-rechner/ aus. Selbstverständlich stehen wir auch für eine kostenlose Analyse in einem persönlichen oder fernmündlichen Gespräch zur Verfügung.